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Predigt zum Abiturgottesdienst des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums am 15.06.2007  -  Christof Rau

Die Welt ist  nicht genug!

 Ein Stück vom Himmel,  aber trotzdem: The World is not enough! Die Welt ist nicht genug!

 „Mit der Erde kannst du spielen“ haben wir gesungen und trotzdem: The World is not enough!

This little light of mine, I’m gonna let it shine!

Klar wer würde schon nicht gerne wenigstens sein kleines Licht scheinen lassen. Irgendwie zumindest in bisschen berühmt sein, gesehen werden, auf seine Art und Weise etwas erreichen, etwas positives, etwas was bleibt, worauf man stolz sein kann.

Aber wie läuft denn das, wie lasse ich denn mein Licht scheinen? Wie soll das gehen wenn mir die Möglichkeit dazu fehlt? Wenn ich der Unsicherheit ausgesetzt bin, bekomme ich einen Arbeitsplatz? Bekomme ich einen Studienplatz? Werde ich nach meinem Studium irgendwo angestellt? Oder war das alles umsonst? Was kann nicht alles passieren das mir die Chance genommen wird mein Licht anzustecken und sichtbar zu leuchten. Etwas aus meinem Leben zu machen, etwas zu erreichen. Weil, mal ganz ehrlich: das ist es doch, das mir meinen Wert gibt, oder? mein Erfolg, das was ich erreiche!

Und als ob das nicht schon genug wäre, nein da kommen auch noch die tollen Worte von Jesus dazu:

Sammelt keine Reichtümer hier auf der Erde!  Macht euch keine Sorgen was ihr essen und was ihr trinken werdet, ob ihr was zum anziehen habt!  Sondern sorgt euch zuerst um das Reich Gottes!

Ich weiß nicht wie es dir gerade geht, wie Deine Zuversicht ist, mit der du in die Zukunft  blickst. Und ich finde das haben Garbage in ihrem Lied "The World is not enough! "Schon sehr gut ausgedrückt:

I feel sick,

I feel scared,

I feel ready,

And yet unprepared!

Mag sein dass das auch dein Gefühl gerade ist. Jetzt so gerade nach dem Abi:

Abi in der Tasche (mehr oder weniger gut), Studienplatz sicher oder auch noch nicht, erst nochmal ein Jahr Zivi dazwischen schieben, ein bisschen Zeit gewinnen, auf geht's auf die Bretter der die Welt bedeuten: Ausbildung.

Irgendwie etwas geschafft zu haben. Leben. Ein Kapitel abhaken. Irgendwie ready, aber doch irgendwie unprepared -nicht ausreichend vorbereitet. Etwas fehlt!

 Eigentlich will ich ja gerne zumindest ein Stück vom Himmel hier auf der Erde haben. Ein Stück vom Himmel - ich weiß nicht wie oft ihr das schon gehört habt: „Ein Stück vom Himmel, das ist wie der Himmel auf Erden!“

Oft werden viele schöne Dinge die passieren, die Menschen erleben, werden als Stück vom Himmel bezeichnet. Genauso oft wird der Himmel in alles Mögliche hinein interpretiert. Oft wunder ich mich, mit wie wenig Erwartungen Menschen vom Himmel reden. Mit wie wenig sie sich schon zufrieden geben. Aber was, wenn das wahr wäre? Wenn du wirklich ein Stück vom Himmel hier auf Erden erleben könntest?! Erleben könntest, dass es den Himmel auf der Erde wirklich gibt! Dass sich diese beiden Gegensätze nicht abstoßen.

Das hört sich erstmal nett an wenn Jesus in der Bergpredigt sagt: Sammelt Schätze im Himmel denn die kann keiner stehlen! Sorgt euch nicht um die täglichen Dinge des Lebens, euren Lebensunterhalt, Gott wird euch versorgen weil ihr ihm wichtig seit. Macht euch also keine Sorgen.

Da meldet sich eine Stimme in mir: „Hat der Typ nen Knall?“

Ich will jetzt mal ganz persönlich werden. Ich studier jetzt gerade kräftig rum, 13 Semester Regelstudienzeit und dann am Ende sagt die Landeskirche mir „Wir brauchen dich nicht!“. Ich hab doch mit dieser Unsicherheit! Ich weiß doch wirklich nicht, ob ich eine Stelle bekomme. Und selbst wenn ich irgendwann einmal in Brot und Arbeit stehe, selbst dann habe ich doch nie die Sicherheit, dass dieser Zustand von langer Dauer sein wird. Wie sieht das vor diesem Hintergrund aus mal eine Familie zu gründen. Und son Prediger zu werden, so inner Marktstraße, auf ner Bierkiste mit ner Lautsprecheranlage, so: „Jesus liebt dich ganz gewiss, denn die Bibel sagt dir dies!“, da habe ich auch nicht unbedingt Bock drauf!

Der Jesus hatte Ja gut reden damals. Wenn er heute mit den Dingen konfrontiert wäre mit den wir zu kämpfen haben, würde dass er sicherlich anders sehen, oder? Ich muss doch gucken wie ich meine Brötchen verdiene die fallen ja nicht einfach vom Himmel.  Oder muss man das einfach unter „nicht mehr zeitgemäß“ abhaken? Diese ganze Sache mit Jesus und dem Glauben, die Geschichte von Gott! Ist das für alte Leute oder Menschen die irgendeinen Halt im Leben brauchen?  

Da finde ich das dieses Lied " ein Stück vom Himmel", das wir nachher noch hören werden, echt passend. Grönemeyer schreibt in diesem Lied viele gute Dinge und stellt eine Menge berechtigter Fragen. Ich einfach mal ein paar Sachen aus dem Lied zusammengefasst: Er schreibt:

Ein Stück vom Himmel, ein Platz von Gott. Welches Ideal heiligt die Mittel? Wer löscht jetzt den Brand? Legionen von Kreuzrittern haben sich blindwütig verrannt. Alles unendlich, warum unendlich? warum in seinem Namen? Wir heißen selber auch. Wann stehen wir für unsere Dramen? Er wird viel zu oft gebraucht. Alles unendlich, unendlich. Du bist ein Unikat, dass sein eigenes Orakel spielt. Es wir zu viel geglaubt, zu wenig erzählt. Wir machen vieles richtig, doch wir machen's uns nicht leicht. Dies ist mein Haus, dies ist mein Ziel. Die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht? Sie ist freundlich, warum wir eigentlich nicht?

 Ein Stück vom Himmel, ein Platz von Gott? Himmel auf Erden? Die Erde ein Platz von Gott? Die Erde mit all dem, was sie und was das Leben auf ihr ausmacht.? Die Erde ein Platz von Gott, auch mit den ganzen Sorgen und Problemen, in der sogar mit den ganzen katastrophalen Dingen, bis hin zum Leid und dem Tod?  

"Ja, die Erde ein Platz von Gott! "

Ungefähr so könnte man das Lebensmotto Jesu beschreiben. Wenn man sich die Geschichte, die die Bibel von Jesus erzählt genau ansieht dann entdeckt man, folgendes: Da neigt sich der Himmel zu mir herab. Jemand aus dem Himmel. Er kommt auf meine Augenhöhe! Obwohl es nicht nötig hätte! Gott wird Mensch. Aber nicht einfach irgendein Mensch. Nein, er wird geboren mitten hinein ins Elend und Leid dieser Welt. In einen stinkenden Stall in einem kleinen unbedeutenden Kaff. Schon als Baby müssen seine Eltern mit ihm fliehen, weil sein Leben bedroht ist. Und er lebt als Asylant  in Ägypten. Als er alt genug dafür ist, muss er im Schweiße seines Angesichts hart arbeiten, um sich seine Brötchen zu verdienen. Mit den schwieligen Händen eines Schreiners zieht er los, um den Menschen zu zeigen wie Gott ist. Um den Menschen Gottes Liebe für sie zu zeigen. Und wo geht er hin? Nicht zu den Reichen, zu den Erfolgreichen, den Beliebten. Sondern er sucht sich seine Freunde unter körperlich hart arbeitenden Männern, ohne großartige Bildung. Er geht hin zu denen, mit denen sonst niemand etwas zu tun haben möchte: den Ausgestoßenen, den Verachteten, den Gehassten. Da ist er zu finden! Und er selber besser dadurch sein Image nicht gerade auf! Er wird ausgelacht, verflucht, gehasst. Er wird der Gotteslästerung angeklagt, obwohl er doch genau das gegensätzliche erreichen wollte. Wird geschlagen, verspottet, angespuckt, und schließlich grausam hingerichtet.  

Jetzt sagst du vielleicht: OK, dass es auch bei vielen anderen Menschen hierauf der Welt so. Aber ich denke zunächst mal es festzuhalten dass dieser Jesus, wenn er hier in in der Bergpredigt vom Sorgen spricht, weiß er worum es da geht.  Er weiß, wie sich Angst anfühlt. Erkennt die Situation nur zu gut von, wie es ist in Unsicherheit zu leben. Er kennt echtes Leid! Aber das Besondere an ihm ist, dass er eben nicht in diesem Sorgen stecken bleibt. Dass er nicht vom Leid und der Angst und der Unsicherheit besiegt wird. Natürlich zunächst einmal geht er buchstäblich durch die Hölle, da am Kreuz von Golgatha. Aber dabei bleibt es nicht. Das Kreuz ist nicht das Letzte in der Geschichte. Drei Tage später ersteht er wieder auf! Und bietet sich uns Menschen an! Aus Liebe! Und warum? Eben genau darum, weil wir es uns oft nicht leicht machen. Wollen unser eigenes Orakel spielen. Weil wir nach der Devise Leben:" dies ist mein Haus, dies ist mein Ziel", singt Grönemeyer. Wir setzen alles daran und setzen auch alles ein, um Erfolg zu haben. Unsere eigenen Ziele zu erreichen. Ziele die unserem eigenen Orakel entstammen. Die wir uns selbst irgendwie zu Recht gelegt haben, aber die im End-Effekt alle irgendwie mit der Unsicherheit verbunden sind. Genau wie Grönemeyer fragt: welches Ideal heiligt die Mittel? Legionen von Kreuzrittern haben sich blindwütig verrannt. Ohne Frage ist den Namen Gottes  im Namen Jesu, der Kirche eine ganze Menge Schindluder getrieben worden.

Aber ich entdecke da noch eine andere Aussage drin. Blindwütig verrannt: wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, denke ich müssen wir festhalten dass auch wir uns schon oft verrannt haben. Und egal ob mit oder ohne Erfolg, mit oder ohne Geld, bleibt die Frage: wozu das ganze? Was habe ich davon? Ist es nicht oft wirklich so, wie Grönemeyer singt: die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht? Mal ehrlich, ist nicht unheimlich oft so, dass wir uns um uns selber drehen? Unseren eigenen Vorteil suchen? Und dafür sogar andere auszustechen versuchen, zu übertrumpfen?  Und manchmal auch nicht auf die feine englische Art?

Was ist denn wenn wir dann am Ende des Lebens feststellen müssen: sinnlos das ganze, da habe ich mich wohl blindwütig verrannt! Obwohl ich eigentlich in meinem Leben viel erreicht habe. Das heißt nicht, dass all das was einem Leben und erreichen kann schlecht ist. Aber ich finde Grönemeyer hat die Situation schon treffend beschrieben:

Wir machen vieles richtig, doch wir machen's uns nicht leicht,  dies ist mein Haus, dies ist mein Ziel.

Und hier kommt jetzt genau das ins Spiel was hinter den Aussagen von Jesus steckt, die wir gerade gehört haben. Jesus bietet dir eine andere Möglichkeit an. Er bietet dir eine Perspektive an die über das was du hier auf der Erde erreichen kannst weit hinausgeht. Nämlich bis ins unendliche. Aber hier geht es jetzt nicht um eine Vertröstung auf das Jenseits:

Grönemeyer fragt: alles unendlich, warum unendlich? "

Jesus bietet die eine Lebensperspektive an die von Grund auf anders ist als all das was diese Welt dir geben kann. Jesus sieht deinen Wert nicht in dem was du leistest! Nicht in deinem Erfolg oder Misserfolg. Nicht in deinem Reichtum oder deiner Armut. Deiner Beliebtheit, oder Einsamkeit. Sondern bei ihm erhältst du deinen Wert durch das was du bist." Du bist ein Unikat!  Und du heißt selber auch! "Sagt Grönemeyer in seinem Text. Ja das stimmt! Du bist ein Unikat! Aber nicht irgendein Unikat das sich zufällig aus irgendwelchen kleinsten Teilen zusammengesetzt hat. Sondern ein Unikat hinter dem eine Idee, ein Plan steht. Ein Unikat dass sich derjenige ausgedacht hat denn die gerne helfen will deine individuelle Lebens-Perspektive zu finden und zu leben. Der dein Leben wertvoll machen möchte. Beschenken möchte mit seiner Gegenwart. Beschenken möchte mit deiner Lebensperspektive die die so anders ist als alle Lebensperspektiven dieser Welt die geprägt ist von Gnade von Liebe von Vergebung. Und eben nicht von Leistungsdruck und Vergeltung.  

So ist Gott. Obwohl er das ganze nicht nötig hätte, geht er den untersten Weg der Verachtung, der Leiden und Schmerzen bis ans Kreuz und verdreckt dort elendig, damit wir die Möglichkeit haben diesen Gegensatz von Himmel und Erde zu überwinden, was das eigener Kraft nicht schaffen können egal wie selber uns da auch anstrengen. Wir müssen nicht weiter unser eigenes Orakel spielen. Nicht mehr weiter versuchen irgendwelchen Idealen krampfhaft hinterher zu rennen. Dinge zu leisten die uns die Welt vorgibt. Sondern wir dürfen frei sein! Wir dürfen frei sein von dem was uns belastet, von dem was uns Angst macht, von dem was uns Probleme bereitet. Sogar von dem wo wir Schuld und Schmutz auf uns geladen haben. Der genau dafür steht Jesus am Kreuz grade! Für unsere Schuld und unsern Schmutz, unser Versagen. Da musst du eben nicht mehr für die „Dramen“ die du produziert hast, wie Grönemeyer singt,  geradestehen!

„The world is not enough!“

Hey die Welt ist nicht genug! Die Welt ist nicht alles! Gott der so viel mehr für uns! Wir brauchen uns nicht mit der Welt zufrieden geben!

Ich bin froh das der Refrain noch weitergeht: "But it’s such a perfect place to start, my love!“ Aber es ist so ein perfekter Platz um anzufangen, anzufangen mit meiner Liebe! Mich lieben zu lassen und andere zu lieben. Es ist quasi wie ein Trainingslager. So ein perfekter Platz um das einzuüben. Und weil es ein Trainingslager ist, darfst du Fehler machen! Du musst nicht alles sofort perfekt können. Das wäre Utopie! Du darfst dich entdecken und entwickeln! Du darfst entdecken und entwickeln was Gott in dich hineingelegt hat! Du darfst dich trainieren lassen, vorbereiten lassen!

I feel sick

I  feel scared

I feel ready

And yet unprepared!

Das ist OK wenn du dich jetzt so fühlst! Wenn du unsicher bist und zweifelst. Aber das muss nicht so bleiben. Jesus bietet dir seine Lebensperspektive an. Eine Lebensperspektive, wo für dich hier auf der Erde wirklich der Himmel real beginnt. Ich habe diese Erfahrung gemacht und mache sie täglich aufs neue. Dass Jesus wirklich real als Gegenüber da ist und ein Interesse an mir hat, Dinge aus mir heraus zu holen, die er in mich hineingelegt hat und an die ich aus eigener Kraft gar nicht ran komme. Ihm sind meine Sorgen nicht egal, sondern er sorgt sich um mich und sorgt für mich. Nicht so, dass sich alle meine Sorgen direkt in Luft auflösen, aber ich habe da einen Ort wo ich mit all dem Kram hingehen kann, der mich belastet und dort abladen kann. Ich erlebe  das ganze als eine lebendige Freundschaftsbeziehung, mit Geben und Nehmen, in der ich immer wieder die Erfahrung mache, das Jesus zu dem steht, was er gesagt hat. Ja er hat sich darauf am Kreuz festnageln lassen. Ende für alle holen Sprüche. Und weil das so ist, darum stehe ich überhaupt heute hier! Und darum studiere ich Theologie, trotz der ganzen verrückten Sachen, mit denen man sich da beschäftigen muss. Weil ich da wirklich eine begründete und in vielen Dingen schon erlebte, erfahrene Hoffnung habe. Weil mir das wichtig ist, das Menschen wie ihr davon hört, davon erfahrt und euch damit auseinandersetzt. Das nicht einfach wegwerft.

 Ich will euch jetzt nicht irgendwie meine Meinung einflößen. Grönemeyer singt in seinem Lied: " es wir zu viel geglaubt, zu wenig erzählt." Mir geht es nicht darum dass du mir das einfach alles abnimmst. Dass du dich einfach blindlings überzeugen lässt. Sondern ich möchte dich einladen das zu prüfen. In der Bibel nachzulesen von diesen Typen, diesem Jesus. Was er selber über sich sagt. Was er uns als Menschen anbietet. Ich möchte dich einladen, dass du, wo du so Menschen wie mich oder andere die du kennst, die von sich behaupten dass sie mit Jesus zu tun haben - also nicht nur vor dem Christen zu sein weil sie in Deutschland geboren sind und zweimal im Jahr zu Ostern und Weihnachten die Kirche gehen - sondern Menschen die wirklich behaupten dass sie eine lebendige Beziehung zu diesem Jesus haben, dass du deine Fragen da stellst. Egal ob evangelisch oder katholisch! Dass du sie löcherst mit deinen Fragen, bis du für dich zufrieden stellende Antworten gefunden hast. Das wird sicherlich nicht immer bei jeder Frage sofort der Fall sein. Manche Fragen sind vielleicht auch gar nicht zu beantworten. Aber es gibt unglaublich handfeste und sichere Antworten auf viele so schwammig aussehende Fragen und Aussagen.

Jesus sagt an einer anderen Stelle: All eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch!“ Hey, mal ernsthaft. Probier’s aus! Was hindert dich daran? Was kannst du verlieren? Es ist deine Entscheidung worauf du dein Leben bauen möchtest, wovon du dir deinen Wert und deine Ziele vorgeben lassen möchtest. Ich kann dir nur sagen, dass meine Entscheidung für Jesus die beste gewesen ist dich je in meinem Leben gefällt habe!  

The World is not enough! Da wartet noch ‘ne ganze Menge mehr auf dich!

AMEN!

 

Weihnachtspredigt 2004 – Prälat Emil Breithecker  

In der heutigen Zeit haben viele Menschen keinen richtigen Zugang mehr zu Weihnachten. Bischof Genn schreibt dazu im Ruhrwort: "Was verleiht Weihnachten seinen Glanz, den auch noch so viel Staub nicht verdecken kann? Weihnachten leuchtet immer wieder auf, weil es eben Ereignisse gibt, die nie Vergangenheit werden." Jeder von uns hat sicherlich ein Weihnachtfest, an das er sich ganz besonders erinnert. 

Wir müssen uns klar machen, was Weihnachten eigentlich ist. Es ist ein Fest der Gegensätze. 

Der erste Satz der Weihnachtsbotschaft ist das "Fürchte dich nicht" der Verkündigung an Maria. Hier ist der erste Gegensatz zu heute: Sagt in der heutigen Zeit noch jemand: "Fürchte dich nicht?"

Den zweiten Gegensatz sehen wir in Christus selbst. Der Messias lag in einer kleinen Krippe und eben nicht in einem vornehmen Gebäude. Kinder sind das sschönste und wichtigste, das wir haben. Und dieses Kind Jesus wurde den Hirten,  Wegelagerern, anvertraut. Und heute? 350.000 Kostbarkeiten (Kinder) werden jedes Jahr getötet.

Dies ist der Staub, der auf diesem Fest liegt. Viele Menschen haben überhaupt falsche Vorstellungen vom Datum des 25.12., das ja nicht der wirkliche Geburtstag  Jesu ist. Früher war der 25.12. der Geburtstag des Sonnengottes und damit des Kaisers von Rom. Die Christen feiern an diesem Datum den Geburtstag ihres Gottessohnes.

Alle Menschen erwarten von der Kirche absolute Integrität. Aber die Kirche ist eine göttliche Stiftung, die von den Menschen oft in Unvollkommenheit verwaltet wird. Wir Christen sollten nun aber nicht an der Unvollkommenheit verzweifeln, sondern sie in der Welt bekennen und leben. Als Christen müssen wir die Zeichen des Lebens in der Welt erkennen, dann finden wir Gott. Weihnachten ist, wenn wir in den Gegensätzen des Lebens Gott erkennen. Deshalb ist das Weihnachtsfest nicht auf den 25.12. beschränkt. In diesem Sinn ist jeden Tag Weihnachten.

 

 

Weihnachtspredigt 2001 – Prälat Emil Breithecker

 Heute möchte ich die Antwort geben auf meine Frage, die sie heute wahrscheinlich alle in der Presse gelesen haben, in dem Weihnachtsgruß der beiden großen Kirchen. „Kann man überhaupt noch in dieser Zeit von Weihnachten reden oder schreiben?“ Das war der erste Satz. Eine Zumutung an die Menschen, die doch alle so gerne Weihnachten feiern. In meinem Sprachschatz habe ich das Wort „Frohe Weihnachten“ gestrichen. Ich habe es ersetzt mit dem Wort „Gesegnete Weihnachten“ - um ehrlich zu bleiben. Denn „Frohe Weihnachten“ wird wohl so selten eigentlich gefeiert, wie in unserer Region weiße Weihnachten.

Ich will Ihnen heute Abend auch keine Appelle vorsetzen, ich will heute Abend auch keine moralischen Aufrufe machen. Vor wem auch! Das können und wissen sie alle selbst. Ich will nur die Analyse unserer Geschichte und unserer Wirklichkeit nachschnitzen, damit jeder noch einmal daraus seine Konsequenzen ziehen kann. Und am Schluss werde ich dann mit dem Gruß „Gesegnete Weihnachten“ enden. Und vielleicht hat der eine oder andere dann verstanden, was ich sagen wollte. Wenn nicht, treffen wir uns nächstes Jahr zur gleichen Zeit mit dem gleichen Thema und können dann wieder neu verhandeln.

Mein Bruder ruft mich jeden Heiligen Abend um 14 Uhr an mit seiner Familie und will von mir wissen - wie heute: „Was predigst du heute, los, los kurz, kurz.“ Ich sagte ihm das. Ganz kurz. Dann hat er zu mir gesagt: „Das ist zu zahm. Sage nicht, dass du nicht mehr sagst „Frohe Weihnachten“, sondern sage: viele nennen Weihnachten – sag: 'Kampftag'“ sagt er, ganz spontan. Aus der Erfahrung seines Lebens und seiner Situation. Ich denke, das ist ganz ehrlich und wir müssen ehrlich feiern oder gar nicht.

Das Schlüsselwort, das thematische Wort meiner Gedanken heißt „Missbrauch“. Missbrauch – darum geht es, wenn man von Gott spricht, darum geht es von vielen anderen Dingen zu sagen ebenso. Darum hat Gott eine ganz andere Sprache gewählt. Sie werden mir bestätigen, dass fast jedes Wort und jeder Satz, den wir Menschen auszutauschen versuchen, missbraucht werden kann.

Das Wort „Missbrauch“ habe ich mir heute in aller Vorsicht so definiert: Überhöhung einzelner Aspekte. Ist ein bisschen hoch, ich habe mich beraten und erkundigt, die Leute sagten, die ich gefragt habe: „Sagen sie das ruhig, 'n bisschen hoch ist auch nicht schlimm.“

Überhöhung einzelner Aspekte, das heißt im Grunde: alles gar nicht schlecht. Nichts,  überhaupt nichts ist schlecht. Nur wenn wir einige Punkte in unserem Leben und in unserer Gemeinschaft so überhöhen, dass sie einseitig werden, dann nennt man das „Missbrauch“. Das gilt für fast alles. Da Worte so missbraucht werden, hat Gott eine ganz andere Sprache gesprochen, die jeden Missbrauch, jede mögliche Überhöhung ausschließt. Die jeden Gegensatz ausschließt. Über sein Wort lässt sich nicht mehr diskutieren. Und damit ist der Missbrauch endlich abgeschafft. Nämlich sein Wort das er uns gibt. Und er hat uns sein Wort gegeben! Dieses, sein Wort, ist Fleisch geworden, ist Mensch geworden. „..???   “ in der Ursprache des Griechischen, so ist es verkündigt, richtig Fleisch. Mit aller Mühsal die dabei zu betrachten ist.

1975 war ich zum ersten Mal in Oberhausen tätig und eine meiner ersten Aktionen mit Jugendlichen damals von der Gesamtschule war in der Kirche St.Josef Osterfeld, Vestische Straße, Vorbereitung auf die Nachtwallfahrt, jetzt so 26 Jahre her. Denen habe ich damals schon gesagt: „Wenn einer unter uns ist, dem es schlechter und dreckiger gegangen ist“,  ich ergänze das heute: „der mehr missbraucht wurde als Jesus Christus, vor dem knie ich mich auf der Stelle nieder.“ Das war natürlich damals für einen jungen Priester ein kühnes Wort aber für den heutigen alten ist das noch genau so wahr und so wirklich.

Wir kommen doch nur {durch} [auf] den Missbrauch deswegen, weil der andere nicht so denkt wie ich. Missbrauch ist immer aufgehoben, wenn einer denkt wie ich, wenn einer redet wie ich, wenn er die gleichen Interessen hat. Dann kommt man ziemlich gut zurecht. Das weiß jeder Jugendliche aus der Clique, das weiß jeder von seinem guten Kumpel, das weiß jeder vom Stammtisch, wo alles geregelt wird, die tollsten Dogmen festgeschrieben werden, da ist man alle einer Meinung, da passiert nix. Da wir keiner falsch verstanden. Hat der Willi auch gesagt und der Kaczinski hat auch so gemeint. Und dann stimmt das. Wird nix falsch verstanden.

Also Gott gab uns sein Wort in einem Menschen, damit ihn keiner falsch versteht. Und der kam ohne Einladung. Der kam in sein Eigentum, so wird es offiziell verkündet im Johannes-Prolog, der kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Er kommt mitten unter uns. Das Licht, im großen Glaubensbekenntnis heißt das: „Licht vom Licht, Gott von Gott, wahrer Gott von wahrem Gott“. Dieses Wort hielt alles aus, ließ sich missbrauchen und verkennen, wurde geschäht und missbraucht bis heute noch. Wir zünden jetzt ein Licht an, aus seiner Heimat, wo der Missbrauch Triumphe feiert: das Licht aus Bethlehem, wo selbst noch aus der Christmesse ein politisches Geschäft gemacht wird. Ich weiß nicht ob er kommen durfte oder nicht, ich weiß auch nicht, warum er kommen wollte oder nicht. Ich weiß nur, dass man ihm ganz viele böse Absichten unterstellen kann. Ich weiß aber auch, dass keiner von uns Christen das tun würde, was er heute gesagt hat. „Und wenn die mich nicht lassen, dann gehe ich die 25 km zu Fuß“.

Lassen wir doch erst mal unsere gottverabscheuenden Vorurteile weg, bevor wir urteilen, liebe Schwestern und Brüder. Alle sind wir geschockt von dem, was passiert ist. Wenn die ihren Gott missbrauchen um zu morden und Familien und Gesellschaften ins Unglück zu stürzen, haben wir allen Grund zu fragen, wieso Johannes damals schon schrieb: „Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“

Wie oft wird dieser Jesus Christus, frage ich sie allen Ernstes und ganz langsam mit Überlegung, von seiner eigenen Familie missbraucht?! Von denen, die seinen Namen tragen wie jede Familie einen gemeinsamen Namen trägt. Wie oft wird er Jahr für Jahr von Kindern und Eltern und allen Generationen so missbraucht? Zum Beispiel bei einer Hochzeit, zum Beispiel bei der Erstkommunion, zum Beispiel bei der Beerdigung, zum Beispiel in Notsituationen. Da soll er plötzlich zackzack was bringen, was wir unbedingt brauchen. Wir machen ihn zu unserem Knecht.

Er aber hat sich selbst zum Knecht gemacht. Er hat sich selbst {- er hat sich selbst}, wie der Apostel sagt, zur Sünde gemacht. Wie den letzten Versager. Mit dem hat er sich identifiziert. Das heißt „Fleisch werden“. Wunderbar ist das Lied, das der Apostel singt, wenn er schreibt: „Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein. Er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave“. Der letzte Dreck seiner Gesellschaft, auch das habe ich heute in Klammer gesetzt, in diesem Artikel. Der Letzte und den Menschen gleich. Er hat sich zur Sünde gemacht.

Wir wehren uns dagegen, wenn uns einer etwas vorwirft und uns zum Sünder machen will. „Mit mir macht der das nicht!“ Das ist unsere Haltung und unser Missbrauch von dem Angebot Gottes, der unangemeldet und ohne Erlaubnis seinen Sohn in diese Welt sandte - für immer. Und diesem Sohn gesagt hat, wir können in dieser Welt nur bestehen, wenn wir risikolos jeden Missbrauch ausmerzen und das geht nur, dass Gott sich zum allerletzten macht, damit man ihn verurteilen kann aber nicht einen anderen. Darum, liebe Schwestern und Brüder, ist unser Glaube so verletzlich. Darum müssen wir ihn hüten und auf ihn aufpassen. Darin und deswegen kommen wir heute zusammen, Es gibt da gute, gute Regeln, gesellschaftliche Regeln, dass Glaube und Soziales und Politisches zusammenpassen.

Ein Papst hat es einmal in sein Wappen geschrieben: „Justitia et pax“ - Gerechtigkeit schafft Frieden. Gerecht wäre man - sind wir alle nicht, machen wir uns nichts vor, bleiben wir nur ehrlich - gerecht wäre man, wenn man jedem anderen sein Versagen zugesteht, anstatt dass wir mit katholischen Zungen über den herfallen und den oft zu einem sozialen Haschee machen, dass die Mettwurst dagegen noch ein ??? ist. Warum hören wir damit nicht auf? Weil wir ihn missbrauchen!

Das wär doch eine Sache, uns heute vorzunehmen, mit diesem Missbrauch aufzuhören. Ich provoziere sie noch zweimal jetzt, ganz kurz, mit Gregor Gysi. Ich habe lange überlegt, ob ich den Namen nennen sollte, aber der schrieb im Rheinischen Merkur vor einer Woche folgendes. Sagen wir nicht, der will doch nur in die Politik. Er hat es aber geschrieben, vielleicht macht er sich lächerlich damit, vielleicht sagt er aber auch dem einen oder anderen etwas. Er schreibt: „Ich fürchte eine gottlose Gesellschaft, obwohl ich nicht religiös bin. Eine gottlose Gesellschaft wäre heute eine wertlose Gesellschaft und das ist ein wirkliches Risiko. In unserer Gesellschaft stammen alle Werte von denen ab, die wir Religion nennen. Und die nichtreligiösen, sogenannten Werte, stehen auf sehr tönernen Füßen.“ Das ist zitiert in einem Kommentar, und der Kommentator schreibt da drunter, dick zu unterstreichen: „Vielleicht Kalkül, aber dennoch, wo er Recht hat, hat er Recht.“

Eine kleine Sache fiel mir dann noch auf. Von Hunderten ???, sie sind da besser versiert, „Justitia et pax“, für 10 Millionen, wenn das stimmt, wird sie freigekauft und fährt in viele Länder um für die Kinderhilfe zu werben. Was wir als Kirche heute in der Adveniat-Kollekte und in der Fastenzeit in der Misereor-Kollekte geben, das schafft Gerechtigkeit und macht das Pulver nass für Aufstand und Aufruhr.

Deswegen sind wir also da und müssen wir Weihnachten feiern, weil wir uns immer wieder erinnern. Und Erinnerung bringt Hoffnung und Hoffnung bringt Leben Und Leben bringt Auftrag. Und wer einen Auftrag hat, hat keine Langeweile , sondern hat etwas vor sich. Und den nenne ich gesegnet. Und wenn sie heute irgend einen Auftrag mitnehmen, dann sind wir wieder am Anfang mit „Gesegnete Weihnachten“. Danke gleichfalls und Amen.