
| | Predigt
zum Abiturgottesdienst des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums am
15.06.2007 - Christof Rau
Die
Welt ist nicht genug!
Ein
Stück vom Himmel,
aber trotzdem: The World is not enough! Die Welt ist nicht genug!
„Mit der Erde kannst du spielen“ haben wir gesungen und trotzdem: The
World is not enough!
This
little light of mine, I’m gonna let it shine!
Klar
wer würde schon nicht gerne wenigstens sein kleines Licht scheinen lassen.
Irgendwie zumindest in bisschen berühmt sein, gesehen werden, auf seine Art und
Weise etwas erreichen, etwas positives, etwas was bleibt, worauf man stolz sein
kann.
Aber
wie läuft denn das, wie lasse ich denn mein Licht scheinen? Wie soll das gehen
wenn mir die Möglichkeit dazu fehlt? Wenn ich der Unsicherheit ausgesetzt bin,
bekomme ich einen Arbeitsplatz? Bekomme ich einen Studienplatz? Werde ich nach
meinem Studium irgendwo angestellt? Oder war das alles umsonst? Was kann nicht
alles passieren das mir die Chance genommen wird mein Licht anzustecken und
sichtbar zu leuchten. Etwas aus meinem Leben zu machen, etwas zu erreichen.
Weil, mal ganz ehrlich: das ist es doch, das mir meinen Wert gibt, oder? mein
Erfolg, das was ich erreiche!
Und
als ob das nicht schon genug wäre, nein da kommen auch noch die tollen Worte
von Jesus dazu:
Sammelt
keine Reichtümer hier auf der Erde!
Macht euch keine Sorgen was ihr essen und was ihr trinken werdet, ob ihr
was zum anziehen habt!
Sondern sorgt euch zuerst um das Reich Gottes!
Ich weiß nicht wie es dir gerade geht, wie Deine Zuversicht ist, mit der du in
die Zukunft
blickst. Und ich finde das haben Garbage in ihrem Lied "The World is
not enough! "Schon sehr gut ausgedrückt:
I
feel sick,
I
feel scared,
I
feel ready,
And
yet unprepared!
Mag
sein dass das auch dein Gefühl gerade ist. Jetzt so gerade nach dem Abi:
Abi
in der Tasche (mehr oder weniger gut), Studienplatz sicher oder auch noch nicht,
erst nochmal ein Jahr Zivi dazwischen schieben, ein bisschen Zeit gewinnen, auf
geht's auf die Bretter der die Welt bedeuten: Ausbildung.
Irgendwie etwas geschafft zu haben. Leben. Ein Kapitel abhaken. Irgendwie ready,
aber doch irgendwie unprepared -nicht ausreichend vorbereitet. Etwas fehlt!
Eigentlich will ich ja gerne zumindest ein Stück vom Himmel hier auf der
Erde haben. Ein Stück vom Himmel - ich weiß nicht wie oft ihr das schon gehört
habt: „Ein Stück vom Himmel, das ist wie der Himmel auf Erden!“
Oft
werden viele schöne Dinge die passieren, die Menschen erleben, werden als Stück
vom Himmel bezeichnet. Genauso oft wird der Himmel in alles Mögliche hinein
interpretiert. Oft wunder ich mich, mit wie wenig Erwartungen Menschen vom
Himmel reden. Mit wie wenig sie sich schon zufrieden geben. Aber was, wenn das
wahr wäre? Wenn du wirklich ein Stück vom Himmel hier auf Erden erleben könntest?!
Erleben könntest, dass es den Himmel auf der Erde wirklich gibt! Dass sich
diese beiden Gegensätze nicht abstoßen.
Das hört sich erstmal nett an wenn Jesus in der Bergpredigt sagt: Sammelt Schätze
im Himmel denn die kann keiner stehlen!
Sorgt euch nicht um die täglichen Dinge des Lebens, euren Lebensunterhalt, Gott
wird euch versorgen weil ihr ihm wichtig seit. Macht euch also keine Sorgen.
Da meldet sich eine Stimme in mir: „Hat der Typ nen Knall?“
Ich
will jetzt mal ganz persönlich werden. Ich studier jetzt gerade kräftig rum,
13 Semester Regelstudienzeit und dann am Ende sagt die Landeskirche mir „Wir
brauchen dich nicht!“. Ich hab doch mit dieser Unsicherheit! Ich weiß doch
wirklich nicht, ob ich eine Stelle bekomme. Und selbst wenn ich irgendwann
einmal in Brot und Arbeit stehe, selbst dann habe ich doch nie die Sicherheit,
dass dieser Zustand von langer Dauer sein wird. Wie sieht das vor diesem
Hintergrund aus mal eine Familie zu gründen. Und son Prediger zu werden, so
inner Marktstraße, auf ner Bierkiste mit ner Lautsprecheranlage, so: „Jesus
liebt dich ganz gewiss, denn die Bibel sagt dir dies!“, da habe ich auch nicht
unbedingt Bock drauf!
Der
Jesus hatte Ja gut reden damals. Wenn er heute mit den Dingen konfrontiert wäre
mit den wir zu kämpfen haben, würde dass er sicherlich anders sehen, oder? Ich
muss doch gucken wie ich meine Brötchen verdiene die fallen ja nicht einfach
vom Himmel. Oder muss man das einfach unter „nicht mehr zeitgemäß“
abhaken? Diese ganze Sache mit Jesus und dem Glauben, die Geschichte von Gott!
Ist das für alte Leute oder Menschen die irgendeinen Halt im Leben brauchen?
Da
finde ich das dieses Lied " ein Stück vom Himmel", das wir nachher
noch hören werden, echt passend. Grönemeyer schreibt in diesem Lied viele gute
Dinge und stellt eine Menge berechtigter Fragen. Ich einfach mal ein paar Sachen
aus dem Lied zusammengefasst: Er schreibt:
Ein
Stück vom Himmel, ein Platz von Gott. Welches Ideal heiligt die Mittel? Wer löscht
jetzt den Brand? Legionen von Kreuzrittern haben sich blindwütig verrannt.
Alles unendlich, warum unendlich? warum in seinem Namen? Wir heißen selber
auch. Wann stehen wir für unsere Dramen? Er wird viel zu oft gebraucht. Alles
unendlich, unendlich. Du bist ein Unikat, dass sein eigenes Orakel spielt. Es
wir zu viel geglaubt, zu wenig erzählt. Wir machen vieles richtig, doch wir
machen's uns nicht leicht. Dies ist mein Haus, dies ist mein Ziel. Die Erde ist
freundlich, warum wir eigentlich nicht? Sie ist freundlich, warum wir eigentlich
nicht?
Ein Stück vom Himmel, ein Platz von Gott? Himmel auf Erden? Die Erde ein
Platz von Gott? Die Erde mit all dem, was sie und was das Leben auf ihr
ausmacht.? Die Erde ein Platz von Gott, auch mit den ganzen Sorgen und
Problemen, in der sogar mit den ganzen katastrophalen Dingen, bis hin zum Leid
und dem Tod?
"Ja,
die Erde ein Platz von Gott! "
Ungefähr
so könnte man das Lebensmotto Jesu beschreiben. Wenn man sich die Geschichte,
die die Bibel von Jesus erzählt genau ansieht dann entdeckt man, folgendes: Da
neigt sich der Himmel zu mir herab. Jemand aus dem Himmel. Er kommt auf meine
Augenhöhe! Obwohl es nicht nötig hätte! Gott wird Mensch. Aber nicht einfach
irgendein Mensch. Nein, er wird geboren mitten hinein ins Elend und Leid dieser
Welt. In einen stinkenden Stall in einem kleinen unbedeutenden Kaff. Schon als
Baby müssen seine Eltern mit ihm fliehen, weil sein Leben bedroht ist. Und er
lebt als Asylant
in Ägypten. Als er alt genug dafür ist, muss er im Schweiße seines
Angesichts hart arbeiten, um sich seine Brötchen zu verdienen. Mit den
schwieligen Händen eines Schreiners zieht er los, um den Menschen zu zeigen wie
Gott ist. Um den Menschen Gottes Liebe für sie zu zeigen. Und wo geht er hin?
Nicht zu den Reichen, zu den Erfolgreichen, den Beliebten. Sondern er sucht sich
seine Freunde unter körperlich hart arbeitenden Männern, ohne großartige
Bildung. Er geht hin zu denen, mit denen sonst niemand etwas zu tun haben möchte:
den Ausgestoßenen, den Verachteten, den Gehassten. Da ist er zu finden! Und er
selber besser dadurch sein Image nicht gerade auf! Er wird ausgelacht,
verflucht, gehasst. Er wird der Gotteslästerung angeklagt, obwohl er doch genau
das gegensätzliche erreichen wollte. Wird geschlagen, verspottet, angespuckt,
und schließlich grausam hingerichtet.
Jetzt
sagst du vielleicht: OK, dass es auch bei vielen anderen Menschen hierauf der
Welt so. Aber ich denke zunächst mal es festzuhalten dass dieser Jesus, wenn er
hier in in der Bergpredigt vom Sorgen spricht, weiß er worum es da geht.
Er weiß, wie sich Angst anfühlt. Erkennt die Situation nur zu gut von, wie es
ist in Unsicherheit zu leben. Er kennt echtes Leid! Aber das Besondere an ihm
ist, dass er eben nicht in diesem Sorgen stecken bleibt. Dass er nicht vom Leid
und der Angst und der Unsicherheit besiegt wird. Natürlich zunächst einmal
geht er buchstäblich durch die Hölle, da am Kreuz von Golgatha. Aber dabei
bleibt es nicht. Das Kreuz ist nicht das Letzte in der Geschichte. Drei Tage später
ersteht er wieder auf! Und bietet sich uns Menschen an! Aus Liebe! Und warum?
Eben genau darum, weil wir es uns oft nicht leicht machen. Wollen unser eigenes
Orakel spielen. Weil wir nach der Devise Leben:" dies ist mein Haus, dies
ist mein Ziel", singt Grönemeyer. Wir setzen alles daran und setzen auch
alles ein, um Erfolg zu haben. Unsere eigenen Ziele zu erreichen. Ziele die
unserem eigenen Orakel entstammen. Die wir uns selbst irgendwie zu Recht gelegt
haben, aber die im End-Effekt alle irgendwie mit der Unsicherheit verbunden
sind. Genau wie Grönemeyer fragt: welches Ideal heiligt die Mittel? Legionen
von Kreuzrittern haben sich blindwütig verrannt. Ohne Frage ist den Namen
Gottes
im Namen Jesu, der Kirche eine ganze Menge Schindluder getrieben worden.
Aber
ich entdecke da noch eine andere Aussage drin. Blindwütig verrannt: wenn wir
ehrlich zu uns selbst sind, denke ich müssen wir festhalten dass auch wir uns
schon oft verrannt haben. Und egal ob mit oder ohne Erfolg, mit oder ohne Geld,
bleibt die Frage: wozu das ganze? Was habe ich davon? Ist es nicht oft wirklich
so, wie Grönemeyer singt: die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht?
Mal ehrlich, ist nicht unheimlich oft so, dass wir uns um uns selber drehen?
Unseren eigenen Vorteil suchen? Und dafür sogar andere auszustechen versuchen,
zu übertrumpfen?
Und manchmal auch nicht auf die feine englische Art?
Was
ist denn wenn wir dann am Ende des Lebens feststellen müssen: sinnlos das
ganze, da habe ich mich wohl blindwütig verrannt! Obwohl ich eigentlich in
meinem Leben viel erreicht habe. Das heißt nicht, dass all das was einem Leben
und erreichen kann schlecht ist. Aber ich finde Grönemeyer hat die Situation
schon treffend beschrieben:
Wir
machen vieles richtig, doch wir machen's uns nicht leicht, dies
ist mein Haus, dies ist mein Ziel.
Und hier kommt jetzt genau das ins Spiel was hinter den Aussagen von Jesus
steckt, die wir gerade gehört haben. Jesus bietet dir eine andere Möglichkeit
an. Er bietet dir eine Perspektive an die über das was du hier auf der Erde
erreichen kannst weit hinausgeht. Nämlich bis ins unendliche. Aber hier geht es
jetzt nicht um eine Vertröstung auf das Jenseits:
Grönemeyer
fragt: alles unendlich, warum unendlich? "
Jesus
bietet die eine Lebensperspektive an die von Grund auf anders ist als all das
was diese Welt dir geben kann. Jesus sieht deinen Wert nicht in dem was du
leistest! Nicht in deinem Erfolg oder Misserfolg. Nicht in deinem Reichtum oder
deiner Armut. Deiner Beliebtheit, oder Einsamkeit. Sondern bei ihm erhältst du
deinen Wert durch das was du bist." Du bist ein Unikat! Und
du heißt selber auch! "Sagt Grönemeyer in seinem Text. Ja das stimmt! Du
bist ein Unikat! Aber nicht irgendein Unikat das sich zufällig aus
irgendwelchen kleinsten Teilen zusammengesetzt hat. Sondern ein Unikat hinter
dem eine Idee, ein Plan steht. Ein Unikat dass sich derjenige ausgedacht hat
denn die gerne helfen will deine individuelle Lebens-Perspektive zu finden und
zu leben. Der dein Leben wertvoll machen möchte. Beschenken möchte mit seiner
Gegenwart. Beschenken möchte mit deiner Lebensperspektive die die so anders ist
als alle Lebensperspektiven dieser Welt die geprägt ist von Gnade von Liebe von
Vergebung. Und eben nicht von Leistungsdruck und Vergeltung.
So
ist Gott. Obwohl er das ganze nicht nötig hätte, geht er den untersten Weg der
Verachtung, der Leiden und Schmerzen bis ans Kreuz und verdreckt dort elendig,
damit wir die Möglichkeit haben diesen Gegensatz von Himmel und Erde zu überwinden,
was das eigener Kraft nicht schaffen können egal wie selber uns da auch
anstrengen. Wir müssen nicht weiter unser eigenes Orakel spielen. Nicht mehr
weiter versuchen irgendwelchen Idealen krampfhaft hinterher zu rennen. Dinge zu
leisten die uns die Welt vorgibt. Sondern wir dürfen frei sein! Wir dürfen
frei sein von dem was uns belastet, von dem was uns Angst macht, von dem was uns
Probleme bereitet. Sogar von dem wo wir Schuld und Schmutz auf uns geladen
haben. Der genau dafür steht Jesus am Kreuz grade! Für unsere Schuld und
unsern Schmutz, unser Versagen. Da musst du eben nicht mehr für die
„Dramen“ die du produziert hast, wie Grönemeyer singt,
geradestehen!
„The
world is not enough!“
Hey
die Welt ist nicht genug! Die Welt ist nicht alles! Gott der so viel mehr für
uns! Wir brauchen uns nicht mit der Welt zufrieden geben!
Ich
bin froh das der Refrain noch weitergeht:
"But it’s such a perfect place to start, my love!“ Aber es ist so ein
perfekter Platz um anzufangen, anzufangen mit meiner Liebe! Mich lieben zu
lassen und andere zu lieben. Es ist quasi wie ein Trainingslager. So ein
perfekter Platz um das einzuüben. Und weil es ein Trainingslager ist, darfst du
Fehler machen! Du musst nicht alles sofort perfekt können. Das wäre Utopie! Du
darfst dich entdecken und entwickeln! Du darfst entdecken und entwickeln was
Gott in dich hineingelegt hat! Du darfst dich trainieren lassen, vorbereiten
lassen!
I
feel sick
I
feel scared
I
feel ready
And
yet unprepared!
Das
ist OK wenn du dich jetzt so fühlst! Wenn du unsicher bist und zweifelst. Aber
das muss nicht so bleiben. Jesus bietet dir seine Lebensperspektive an. Eine
Lebensperspektive, wo für dich hier auf der Erde wirklich der Himmel real
beginnt. Ich habe diese Erfahrung gemacht und mache sie täglich aufs neue. Dass
Jesus wirklich real als Gegenüber da ist und ein Interesse an mir hat, Dinge
aus mir heraus zu holen, die er in mich hineingelegt hat und an die ich aus
eigener Kraft gar nicht ran komme. Ihm sind meine Sorgen nicht egal, sondern er
sorgt sich um mich und sorgt für mich. Nicht so, dass sich alle meine Sorgen
direkt in Luft auflösen, aber ich habe da einen Ort wo ich mit all dem Kram
hingehen kann, der mich belastet und dort abladen kann. Ich erlebe
das ganze als eine lebendige Freundschaftsbeziehung, mit Geben und
Nehmen, in der ich immer wieder die Erfahrung mache, das Jesus zu dem steht, was
er gesagt hat. Ja er hat sich darauf am Kreuz festnageln lassen. Ende für alle
holen Sprüche. Und weil das so ist, darum stehe ich überhaupt heute hier! Und
darum studiere ich Theologie, trotz der ganzen verrückten Sachen, mit denen man
sich da beschäftigen muss. Weil ich da wirklich eine begründete und in vielen
Dingen schon erlebte, erfahrene Hoffnung habe. Weil mir das wichtig ist, das
Menschen wie ihr davon hört, davon erfahrt und euch damit auseinandersetzt. Das
nicht einfach wegwerft.
Ich will euch jetzt nicht irgendwie meine Meinung einflößen. Grönemeyer
singt in seinem Lied: " es wir zu viel geglaubt, zu wenig erzählt."
Mir geht es nicht darum dass du mir das einfach alles abnimmst. Dass du dich
einfach blindlings überzeugen lässt. Sondern ich möchte dich einladen das zu
prüfen. In der Bibel nachzulesen von diesen Typen, diesem Jesus. Was er selber
über sich sagt. Was er uns als Menschen anbietet. Ich möchte dich einladen,
dass du, wo du so Menschen wie mich oder andere die du kennst, die von sich
behaupten dass sie mit Jesus zu tun haben - also nicht nur vor dem Christen zu
sein weil sie in Deutschland geboren sind und zweimal im Jahr zu Ostern und
Weihnachten die Kirche gehen - sondern Menschen die wirklich behaupten dass sie
eine lebendige Beziehung zu diesem Jesus haben, dass du deine Fragen da stellst.
Egal ob evangelisch oder katholisch! Dass du sie löcherst mit deinen Fragen,
bis du für dich zufrieden stellende Antworten gefunden hast. Das wird
sicherlich nicht immer bei jeder Frage sofort der Fall sein. Manche Fragen sind
vielleicht auch gar nicht zu beantworten. Aber es gibt unglaublich handfeste und
sichere Antworten auf viele so schwammig aussehende Fragen und Aussagen.
Jesus
sagt an einer anderen Stelle: All eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für
euch!“ Hey, mal ernsthaft. Probier’s aus! Was hindert dich daran? Was kannst
du verlieren? Es ist deine Entscheidung worauf du dein Leben bauen möchtest,
wovon du dir deinen Wert und deine Ziele vorgeben lassen möchtest. Ich kann dir
nur sagen, dass meine Entscheidung für Jesus die beste gewesen ist dich je in
meinem Leben gefällt habe!
The
World is not enough! Da wartet noch ‘ne ganze Menge mehr auf dich!
AMEN!
Weihnachtspredigt
2004 – Prälat Emil Breithecker
In
der heutigen Zeit haben viele Menschen keinen richtigen Zugang mehr zu
Weihnachten. Bischof Genn schreibt dazu im Ruhrwort: "Was verleiht
Weihnachten seinen Glanz, den auch noch so viel Staub nicht verdecken kann?
Weihnachten leuchtet immer wieder auf, weil es eben Ereignisse gibt, die nie
Vergangenheit werden." Jeder von uns hat sicherlich ein Weihnachtfest, an
das er sich ganz besonders erinnert.
Wir
müssen uns klar machen, was Weihnachten eigentlich ist. Es ist ein Fest der
Gegensätze.
Der
erste Satz der Weihnachtsbotschaft ist das "Fürchte dich nicht" der
Verkündigung an Maria. Hier ist der erste Gegensatz zu heute: Sagt in der
heutigen Zeit noch jemand: "Fürchte dich nicht?"
Den
zweiten Gegensatz sehen wir in Christus selbst. Der Messias lag in einer kleinen
Krippe und eben nicht in einem vornehmen Gebäude. Kinder sind das sschönste
und wichtigste, das wir haben. Und dieses Kind Jesus wurde den Hirten,
Wegelagerern, anvertraut. Und heute? 350.000 Kostbarkeiten (Kinder) werden jedes
Jahr getötet.
Dies
ist der Staub, der auf diesem Fest liegt. Viele Menschen haben überhaupt
falsche Vorstellungen vom Datum des 25.12., das ja nicht der wirkliche
Geburtstag Jesu ist. Früher war der 25.12. der Geburtstag des
Sonnengottes und damit des Kaisers von Rom. Die Christen feiern an diesem Datum
den Geburtstag ihres Gottessohnes.
Alle
Menschen erwarten von der Kirche absolute Integrität. Aber die Kirche ist eine
göttliche Stiftung, die von den Menschen oft in Unvollkommenheit verwaltet
wird. Wir Christen sollten nun aber nicht an der Unvollkommenheit verzweifeln,
sondern sie in der Welt bekennen und leben. Als Christen müssen wir die Zeichen
des Lebens in der Welt erkennen, dann finden wir Gott. Weihnachten ist, wenn wir
in den Gegensätzen des Lebens Gott erkennen. Deshalb ist das Weihnachtsfest
nicht auf den 25.12. beschränkt. In diesem Sinn ist jeden Tag Weihnachten.
Weihnachtspredigt
2001 – Prälat Emil Breithecker
Heute möchte ich
die Antwort geben auf meine Frage, die sie heute wahrscheinlich alle in der
Presse gelesen haben, in dem Weihnachtsgruß der beiden großen Kirchen. „Kann
man überhaupt noch in dieser Zeit von Weihnachten reden oder schreiben?“ Das
war der erste Satz. Eine Zumutung an die Menschen, die doch alle so gerne
Weihnachten feiern. In meinem Sprachschatz habe ich das Wort „Frohe
Weihnachten“ gestrichen. Ich habe es ersetzt mit dem Wort „Gesegnete
Weihnachten“ - um ehrlich zu bleiben. Denn „Frohe Weihnachten“ wird wohl
so selten eigentlich gefeiert, wie in unserer Region weiße Weihnachten.
Ich will Ihnen
heute Abend auch keine Appelle vorsetzen, ich will heute Abend auch keine
moralischen Aufrufe machen. Vor wem auch! Das können und wissen sie alle
selbst. Ich will nur die Analyse unserer Geschichte und unserer Wirklichkeit
nachschnitzen, damit jeder noch einmal daraus seine Konsequenzen ziehen kann.
Und am Schluss werde ich dann mit dem Gruß „Gesegnete Weihnachten“ enden.
Und vielleicht hat der eine oder andere dann verstanden, was ich sagen wollte.
Wenn nicht, treffen wir uns nächstes Jahr zur gleichen Zeit mit dem gleichen
Thema und können dann wieder neu verhandeln.
Mein Bruder ruft
mich jeden Heiligen Abend um 14 Uhr an mit seiner Familie und will von mir
wissen - wie heute: „Was predigst du heute, los, los kurz, kurz.“ Ich sagte
ihm das. Ganz kurz. Dann hat er zu mir gesagt: „Das ist zu zahm. Sage nicht,
dass du nicht mehr sagst „Frohe Weihnachten“, sondern sage: viele nennen
Weihnachten – sag: 'Kampftag'“ sagt er, ganz spontan. Aus der Erfahrung
seines Lebens und seiner Situation. Ich denke, das ist ganz ehrlich und wir müssen
ehrlich feiern oder gar nicht.
Das Schlüsselwort,
das thematische Wort meiner Gedanken heißt „Missbrauch“. Missbrauch –
darum geht es, wenn man von Gott spricht, darum geht es von vielen anderen
Dingen zu sagen ebenso. Darum hat Gott eine ganz andere Sprache gewählt. Sie
werden mir bestätigen, dass fast jedes Wort und jeder Satz, den wir Menschen
auszutauschen versuchen, missbraucht werden kann.
Das Wort
„Missbrauch“ habe ich mir heute in aller Vorsicht so definiert: Überhöhung
einzelner Aspekte. Ist ein bisschen hoch, ich habe mich beraten und erkundigt,
die Leute sagten, die ich gefragt habe: „Sagen sie das ruhig, 'n bisschen hoch
ist auch nicht schlimm.“
Überhöhung
einzelner Aspekte, das heißt im Grunde: alles gar nicht schlecht. Nichts,
überhaupt nichts ist schlecht. Nur wenn wir einige Punkte in unserem
Leben und in unserer Gemeinschaft so überhöhen, dass sie einseitig werden,
dann nennt man das „Missbrauch“. Das gilt für fast alles. Da Worte so
missbraucht werden, hat Gott eine ganz andere Sprache gesprochen, die jeden
Missbrauch, jede mögliche Überhöhung ausschließt. Die jeden Gegensatz
ausschließt. Über sein Wort lässt sich nicht mehr diskutieren. Und damit ist
der Missbrauch endlich abgeschafft. Nämlich sein Wort das er uns gibt. Und er
hat uns sein Wort gegeben! Dieses, sein Wort, ist Fleisch geworden, ist Mensch
geworden. „..??? “ in der
Ursprache des Griechischen, so ist es verkündigt, richtig Fleisch. Mit aller Mühsal
die dabei zu betrachten ist.
1975 war ich zum
ersten Mal in Oberhausen tätig und eine meiner ersten Aktionen mit Jugendlichen
damals von der Gesamtschule war in der Kirche St.Josef Osterfeld, Vestische Straße,
Vorbereitung auf die Nachtwallfahrt, jetzt so 26 Jahre her. Denen habe ich
damals schon gesagt: „Wenn einer unter uns ist, dem es schlechter und
dreckiger gegangen ist“, ich ergänze
das heute: „der mehr missbraucht wurde als Jesus Christus, vor dem knie ich
mich auf der Stelle nieder.“ Das war natürlich damals für einen jungen
Priester ein kühnes Wort aber für den heutigen alten ist das noch genau so
wahr und so wirklich.
Wir kommen doch
nur {durch} [auf] den Missbrauch deswegen, weil der andere nicht so denkt wie
ich. Missbrauch ist immer aufgehoben, wenn einer denkt wie ich, wenn einer redet
wie ich, wenn er die gleichen Interessen hat. Dann kommt man ziemlich gut
zurecht. Das weiß jeder Jugendliche aus der Clique, das weiß jeder von seinem
guten Kumpel, das weiß jeder vom Stammtisch, wo alles geregelt wird, die
tollsten Dogmen festgeschrieben werden, da ist man alle einer Meinung, da
passiert nix. Da wir keiner falsch verstanden. Hat der Willi auch gesagt und der
Kaczinski hat auch so gemeint. Und dann stimmt das. Wird nix falsch verstanden.
Also Gott gab uns
sein Wort in einem Menschen, damit ihn keiner falsch versteht. Und der kam ohne
Einladung. Der kam in sein Eigentum, so wird es offiziell verkündet im
Johannes-Prolog, der kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Er kommt mitten unter uns. Das Licht, im großen Glaubensbekenntnis heißt das:
„Licht vom Licht, Gott von Gott, wahrer Gott von wahrem Gott“. Dieses Wort
hielt alles aus, ließ sich missbrauchen und verkennen, wurde geschäht und
missbraucht bis heute noch. Wir zünden jetzt ein Licht an, aus seiner Heimat,
wo der Missbrauch Triumphe feiert: das Licht aus Bethlehem, wo selbst noch aus
der Christmesse ein politisches Geschäft gemacht wird. Ich weiß nicht ob er
kommen durfte oder nicht, ich weiß auch nicht, warum er kommen wollte oder
nicht. Ich weiß nur, dass man ihm ganz viele böse Absichten unterstellen kann.
Ich weiß aber auch, dass keiner von uns Christen das tun würde, was er heute
gesagt hat. „Und wenn die mich nicht lassen, dann gehe ich die 25 km zu Fuß“.
Lassen wir doch
erst mal unsere gottverabscheuenden Vorurteile weg, bevor wir urteilen, liebe
Schwestern und Brüder. Alle sind wir geschockt von dem, was passiert ist. Wenn
die ihren Gott missbrauchen um zu morden und Familien und Gesellschaften ins
Unglück zu stürzen, haben wir allen Grund zu fragen, wieso Johannes damals
schon schrieb: „Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht
auf.“
Wie oft wird
dieser Jesus Christus, frage ich sie allen Ernstes und ganz langsam mit Überlegung,
von seiner eigenen Familie missbraucht?! Von denen, die seinen Namen tragen wie
jede Familie einen gemeinsamen Namen trägt. Wie oft wird er Jahr für Jahr von
Kindern und Eltern und allen Generationen so missbraucht? Zum Beispiel bei einer
Hochzeit, zum Beispiel bei der Erstkommunion, zum Beispiel bei der Beerdigung,
zum Beispiel in Notsituationen. Da soll er plötzlich zackzack was bringen, was
wir unbedingt brauchen. Wir machen ihn zu unserem Knecht.
Er aber hat sich
selbst zum Knecht gemacht. Er hat sich selbst {- er hat sich selbst}, wie der
Apostel sagt, zur Sünde gemacht. Wie den letzten Versager. Mit dem hat er sich
identifiziert. Das heißt „Fleisch werden“. Wunderbar ist das Lied, das der
Apostel singt, wenn er schreibt: „Er war wie Gott, hielt aber nicht daran
fest, Gott gleich zu sein. Er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave“. Der
letzte Dreck seiner Gesellschaft, auch das habe ich heute in Klammer gesetzt, in
diesem Artikel. Der Letzte und den Menschen gleich. Er hat sich zur Sünde
gemacht.
Wir wehren uns
dagegen, wenn uns einer etwas vorwirft und uns zum Sünder machen will. „Mit
mir macht der das nicht!“ Das ist unsere Haltung und unser Missbrauch von dem
Angebot Gottes, der unangemeldet und ohne Erlaubnis seinen Sohn in diese Welt
sandte - für immer. Und diesem Sohn gesagt hat, wir können in dieser Welt nur
bestehen, wenn wir risikolos jeden Missbrauch ausmerzen und das geht nur, dass
Gott sich zum allerletzten macht, damit man ihn verurteilen kann aber nicht
einen anderen. Darum, liebe Schwestern und Brüder, ist unser Glaube so
verletzlich. Darum müssen wir ihn hüten und auf ihn aufpassen. Darin und
deswegen kommen wir heute zusammen, Es gibt da gute, gute Regeln,
gesellschaftliche Regeln, dass Glaube und Soziales und Politisches
zusammenpassen.
Ein Papst hat es
einmal in sein Wappen geschrieben: „Justitia et pax“ - Gerechtigkeit schafft
Frieden. Gerecht wäre man - sind wir alle nicht, machen wir uns nichts vor,
bleiben wir nur ehrlich - gerecht wäre man, wenn man jedem anderen sein
Versagen zugesteht, anstatt dass wir mit katholischen Zungen über den herfallen
und den oft zu einem sozialen Haschee machen, dass die Mettwurst dagegen noch
ein ??? ist. Warum hören wir damit nicht auf? Weil wir ihn missbrauchen!
Das wär doch eine
Sache, uns heute vorzunehmen, mit diesem Missbrauch aufzuhören. Ich provoziere
sie noch zweimal jetzt, ganz kurz, mit Gregor Gysi. Ich habe lange überlegt, ob
ich den Namen nennen sollte, aber der schrieb im Rheinischen Merkur vor einer
Woche folgendes. Sagen wir nicht, der will doch nur in die Politik. Er hat es
aber geschrieben, vielleicht macht er sich lächerlich damit, vielleicht sagt er
aber auch dem einen oder anderen etwas. Er schreibt: „Ich fürchte eine
gottlose Gesellschaft, obwohl ich nicht religiös bin. Eine gottlose
Gesellschaft wäre heute eine wertlose Gesellschaft und das ist ein wirkliches
Risiko. In unserer Gesellschaft stammen alle Werte von denen ab, die wir
Religion nennen. Und die nichtreligiösen, sogenannten Werte, stehen auf sehr tönernen
Füßen.“ Das ist zitiert in einem Kommentar, und der Kommentator schreibt da
drunter, dick zu unterstreichen: „Vielleicht Kalkül, aber dennoch, wo er
Recht hat, hat er Recht.“
Eine kleine Sache
fiel mir dann noch auf. Von Hunderten ???, sie sind da besser versiert,
„Justitia et pax“, für 10 Millionen, wenn das stimmt, wird sie freigekauft
und fährt in viele Länder um für die Kinderhilfe zu werben. Was wir als
Kirche heute in der Adveniat-Kollekte und in der Fastenzeit in der
Misereor-Kollekte geben, das schafft Gerechtigkeit und macht das Pulver nass für
Aufstand und Aufruhr.
Deswegen sind wir
also da und müssen wir Weihnachten feiern, weil wir uns immer wieder erinnern.
Und Erinnerung bringt Hoffnung und Hoffnung bringt Leben Und Leben bringt
Auftrag. Und wer einen Auftrag hat, hat keine Langeweile , sondern hat etwas vor
sich. Und den nenne ich gesegnet. Und wenn sie heute irgend einen Auftrag
mitnehmen, dann sind wir wieder am Anfang mit „Gesegnete Weihnachten“. Danke
gleichfalls und Amen.
|